Dempusey Kaserne

Status : Design Study, 2020
Client : Start Paderborn
Location : Paderborn, Germany
Program : Massterplan, Reuse of camp base
Site/GFA : 16 ha / –
Team : Markus Kaltenbach, Vanessa Dietz, Changhui Ryu, Hyesung Ryu
Collaborators : Prof. Stefan Tischer

 

 

 

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Die Geschichte des Ortes

„Zukunft braucht Herkunft!“ Dieses Zitat von Odo Marquard beschreibt treffend den zentralen Entwurfsgedanken. Es handelt sich hier nicht um eine Planung auf der „grünen Wiese“ – zum Glück!

Vielmehr geht es um die Konversion, die Transformation und Umnutzung eines spezifischen Ortes mit einer ganz eigenen Geschichte und ganz besonderer Vergangenheit und Bedeutung für die Stadt Paderborn.

Dies soll durch die vorgeschlagene Planung weder ausradiert noch gelöscht werden. Im Gegenteil – die Vergangenheit soll weiterhin erlebbar sein, die Bedeutung weiter spürbar und die Geschichten des Ortes sollen, einhergehend mit einer neuen Nutzung, weitergeschrieben werden. Ein neues Kapitel soll aufgeschlagen werden.

Die bisherige Nutzung des Areals als Panzerkaserne drückt sich insbesondere in den weitläufigen Verkehrsflächen, den großen Höfen mit ausreichend Rangierflächen sowie linearen Garagenbauten für den großen Fuhrpark aus. Für die Nachbarschaft sind besonders die Mannschaftsgebäude mit ihrer linearen Struktur welche orthogonal zur Husarenstraße positioniert sind für den Ort identitätsstiftend.

Wir möchten deshalb eine städtebauliche Struktur vorschlagen, welche den Erhalt aller Mannschaftsgebäude ermöglicht – diese aber nicht zwingend notwendig macht.

Vielmehr wird die damit einhergehende städtebauliche Struktur und Ausrichtung der Gebäude in dem Entwurf weitergeführt. Die Gebäude werden von uns als Raumpotentiale und Ressource begriffen, welche – ggf. auch nur temporär – transformiert und weitergenutzt werden können bis zu gegebenem Zeitpunkt schrittweise Ersatzbauten an selbiger Stelle folgen können.

An die angesprochene Weitläufigkeit und Linearität der heutigen Bestandsstruktur soll mittels Erhalts eines ausgewählten Garagen- und Werkstattflügels auch zukünftig erinnert werden. Das Bestandsgebäude bietet als Fab.Lab und MakerSpace Raum für die lokale Kreativwirtschaft und die immer wichtiger werdende StartUp-Szene. Das Gebäude kann hierfür schrittweise transformiert werden. Je nach Nutzer wäre sogar eine partielle Nutzung im heutigen Zustand denkbar.

Das Gebäude stellt dabei das Bindeglied zwischen dem Gewerbe- und Wohnenteil dar und bildet den Rücken des Quartierszentrums mit Kita, Spielfläche und öffentlichem Grünraum.

 

Das Element Wasser

Neben der namensgebenden Pader und deren Quellen, ist die Stadt Paderborn in der westfälischen Tieflandsbucht gelegen, durch zahlreiche Wasserflächen und Flussläufe charakterisiert.

Dieses bislang wenig präsente Thema auf dem Areal soll zukünftig das zweite identitätsstiftende Merkmal darstellen und darüber hinaus das Areal in den lokalen Kontext einbetten sowie einen Bezug des bislang hermetisch abgeriegelten Gelände zur Gesamtstadt herstellen.

Entlang der Husarenstraße, der Adresse des Quartiers, wird eine Offenlegung des Krebsbach vorgeschlagen, verbunden mit einer Aufwertung des gesamten Straßenraums. Ein Mehrwert auch für die angrenzenden Nachbarschaften.

Die für die Wasserwirtschaft ohnehin anfallenden Retentionsflächen werden ganz bewusst ins Zentrum des Quartiers gerückt. Funktionale Aspekte werden mit sozialen und ästhetischen Funktionen überlagert. Dadurch werden Synergien geschaffen und eine besondere räumliche Qualität für das gesamte Quartier generiert. Dabei wird sowohl eine dezentrale Regenwasserspeicherung und -versickerung (Wohnquartierte) wie auch eine zentrale Speicherung und Versickerung/Ableitung (naturnahe Regenwasserrückhaltemulde am Quartiersplatz, Graben im Gewerbegebiet, Mulde entlang des Krebsbachs an der Husarenstraße) angewandt.

Eine vielfältige Mischung an baulichen Typologien stellt eine soziale Vielfalt und Durchmischung im Quartier sicher. Das gehobene „Wohnen im Grünen“ reagiert auf die einmalige Lagegunst inmitten der umgebenden Waldflächen und kann sowohl für Senioren, anspruchsvolle Singles als auch Familien gleichermaßen ein attraktives neues Zuhause bieten.

Die Reihenhausstrukturen sowie die Clusterhäuser respektieren den Wunsch nach Individualität und Eigenheim und stellen zugleich über gemeinschaftliche Erschließung und Aufenthaltsflächen Bezüge zur Nachbarschaft her.

Zwei Quartiersgaragen ermöglichen ein nahezu autofreies Quartier und sorgen zugleich dafür, dass für kurze Wege das Fahrrad vor der eigenen Haustüre an Attraktivität gewinnt und Erschließungsflächen gleichbedeutend mit Spiel- und Gemeinschaftsflächen werden.

Der gewerblich genutzte Teil des Areals erlaubt maximale Flexibilität in Punkto Parzellengröße und Bebauungsstruktur entlang der zentralen Erschließungsachse, welche durch eine rhythmisierte Bebauung ein attraktives und abwechslungsreiches Rückgrat bildet. Mit einem öffentlichen Auftakt mündet die Achse in das Waldwegenetz und bietet kurze Wege für attraktive und erholsame Pausen im Arbeitsalltag.

 

Freiraumkonzept

Charakterbildend für die Freiräume des neuen Quartiers ist der umgebende Wald. Er wird im nördlichen und nordöstlichen Wohngebiet zwischen die Bebauung hinein entwickelt, so dass insbesondre bei den Punkthäuser die Wirkung von Einzelgebäuden in einem lichten Wald entsteht. Das wird durch die naturnahe Bodengestaltung und Wegeführung verstärkt, die die Anbindung an die Umgebung schafft. Kreisförmige Mulden sammeln das Oberflächen- und Dachabwasser der Gebäude, sie zeichnen sich durch wechselfeuchte Vegetation aus und lagern Nutzungen für Spiel und Freizeitaufenthalt an.

Das Herzstück des neuen Quartiers bildet aber der Platz nördlich des Kindergartens. Er ist eine großzügige, wassergebundene Fläche mit lockerem Baumüberstand (z.T. Bestandsbäume). Der Kindergarten, ein Spielbereich und das naturnah gestaltete und mit einem Steg überquerbare Regenrückhaltebecken bilden die drei Hauptelemente des Platzes. Der Vorbereich des „Fab.Lab“ wird Teil des Platzes und trägt durch Freiraumaktivitäten zu seiner Belebung und ständigen Nutzung bei.

Die Wohnquartiere selbst lassen in den Privatgärten eine hohe Flexibilität der Nutzung und Gestaltung zu. Einzige Vorgaben sind, das anfallende Regenwasser zu speichern und z.B. für die Gartenbewässerung zu nutzen, sowie bei der Baumauswahl eher klein- und mittelkronige Bäume zu bevorzugen. Die internen Straßen sind als reine Spielstraßen ausgeprägt.

Während in den Wald- und Waldrandbereichen große Waldbäume dominieren (Eichen, Kiefern, Buchen, Eschen), sind im restlichen Quartier eher klein- und mittelkronige, blühende Baumarten vorgesehen: Obst- und Zierobstbäume, Weißdorn, Wildapfel, Ölweide, Schnurbaum, Judasblattbaum, Paulownien, u.Ä. Die beiden Säulenpappelreihen akzentuieren stark raumprägend die Eingänge ins Quartier. Entlang der Mulde des Krebsbachs an der Husarenstraße wird der Baumbestand integriert und mit Eschen, Weiden und Erlen locker ergänzt.


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