D’r Wassertura z’Kloioitinga

Status : Open Competition, 2018
Client : Gemeinde Kleineitingen
Location : Kleineitingen, Germany
Program : Multifunctional
Size : 244 m²
Team : Sara Faraone, Deacon Lee

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Städtebau

Der 25 m hohe Turm in Kleinaitingen an der Großaitinger Straße im Landkreis Augsburg, der einst Wasser speicherte, wird zu einem Turm voller Leben und fröhlichen Momenten. Er ist für die Bewohner des ländlichen Dorfes gedacht, aber auch für die Region und soll für alle zugänglich sein. Dadurch entwickelt er einen Ruf, der über dem Dorf hinaus geht. Diese Leitideen prägen den Entwurf: behutsamer Umgang mit Bestand, Behalten des identitätsstiftenden Charakters, Einfügung in die Umgebung, Vorbild für weitere Wassertürme, Attraktivitätspunkt für mehrere Generationen, Flexibilität.

Umgeben von Feldern gibt es kaum Bezug zu Nachbargebäuden. Er markiert eines der höchsten Gebäude neben den Kirchen und kann von Weitem gesehen werden. Am Rande des Dorfes liegend, dient er auch als Portal, als Willkommensgruß für Reisende. Um mehr Fläche und Nutzung zu schaffen, wird ein Neubau daneben angegliedert mit einem respektierlichen Abstand zum Turm.

 

Außenräume

Der Turm und der Neubau bilden ein Ensemble aus dem ein Vorplatz entsteht. Das von einem Feldweg geteilte Flurstück (Nr. 80/1) wird zu einem Grundstück zusammengeführt. Westlich wird der kleine Wald ein Highlight für jegliche Erkundungen und Spaziergänge. Ein leichter Höhenunterschied macht den noch erhaltenen Feldweg für kommenden Verkehr auf dem zweiten Blick sichtbar. Diese geschwungene Form des Feldweges wird rezipiert und mehrmals in verschiedenen Richtungen auf das Grundstück gelegt um Wegebeziehungen zu schaffen zwischen der Großaitinger Straße und dem Feld, dem Neubau und dem Bestand und den Gebäuden zu den Straßen. Zwischen diesen Wegflächen befinden sich Ruhepunkte wie Wasser, Erde oder Pflanzen. Mehrere Spielplätze geben ein attraktives Angebot für Familien. Südlich des Grundstücks wird ein weiteres Grundstück für Parkflächen genutzt.

Die Versiegelung des Freiraums wird auf die notwendigen Erschließungsbereiche beschränkt. Diese werden aus versickerungsfähigem Steinpflaster errichtet, so dass die Versiegelung des Außenraums auf ein Minimum reduziert wird. Die flachgeneigten Dächer der Neubauten werden extensiv begrünt. Neben geringen Flächenlasten und minimalem Pflegebedarf verfügen die Retentionsdächer über eine hohe Wasserspeicherung bei gleichzeitig gezielter Abflussverzögerung.

Das südliche Grundstück (Flur Nr. 346) wird teilweise für die Parkplätze und in einfacher Bauweise als Überlauf‐Parkfläche für Besucher hergestellt, um die Flächenversiegelung zu reduzieren.

 

Nutzungen

Der Turm bekommt ein neues Image durch den Betrieb eines Spielturms und eines Cafés.

Während die älteren Generationen bzw. Eltern in den ersten zwei Geschossen ihre Zeit verbringen und sich entspannen, können die Kinder ab dem 2. Obergeschoss mit Spiel und Spaß den Turm erleben. Im 3. Obergeschoss gibt es die Möglichkeit für jeden Gast die Aussicht zu genießen. Im 2. Obergeschoss befindet sich ein „Schachtelraum“, der die Kinder dazu einlädt, Versteckspiele zu spielen und deren Kreativität zu fördern. In halber Höhe wird auch der Erker als sogenannte Schachtel genutzt und dient auch als eine Pausenmöglichkeit bei den langen Treppenstrecken. Im 3. Obergeschoss können die Kinder vom 3. ins 2. Geschoss rutschen. Sie können große schaumstoffartige Kuben besteigen und aufstapeln. Man kann mit den Kuben spielen und die erhaltenen Wasserrohre als Klangspiele benutzen. Ein hängender Sessel lädt zum komfortablen Entspannen ein, um dabei die Naturlandschaft in luftiger Höhe zu erblicken. Bei schönem Wetter können draußen Sitzgelegenheiten erweitert werden, sodass der Außenbereich für das Café mitbenutzt werden kann.

Der Neubau dient für flexible Nutzungen. Er kann für jegliche Meetings, Seminare, Tagungen und Ausstellungen genutzt werden, sowie für Hochzeiten und Geburtstage gemietet werden. Durch mobile Trennwände kann man temporäre Ausstellungsflächen schaffen für lokale Kunst und Kultur, aber auch regionale Kunst. Der Neubau ist separat nutzbar, oder zusammen mit dem Turm. Ein Untergeschoss führt zu den Nassräumen, die von beiden Parteien genutzt werden können.

Das Café mit den Spieletagen kann Eintrittsgeld fordern um Wartungen und Pflege zu finanzieren. Optional ist es auch möglich, dass die Bewohner mit Spenden den Turm benutzen können, während Gäste von außerhalb zahlen. Der Neubau wird durch Vermietung finanziert, ggf. Eintrittsgelder für Ausstellungen.

 

Architektur Bestand / Neu

Der romantische von Italienern erbaute Wasserturm gilt als technische Meisterleistung und als Wahrzeichen des Lechfelds. Um diese Identität zu bewahren, werden nur kleine Veränderungen an dem Turm vorgenommen. Diese kleinen aber markanten Veränderungen erzählen von einem neuen Anbruch der Zeit. Etwas Neues geschieht in diesem Turm. Im 3. Geschoss wird auf der Südseite, dass zur Straße zeigt, ein großes Bandfenster in voller Breite mit einer niedrigen Brüstung versehen. Ein großes Auge, das sofort Einblick in das Geschoss zeigt, aber auch ein Panoramablick nach außen gewährleistet. Die Etage wird sonnendurchflutet. Weiterhin wird ein Durchbruch auf der westlichen Seite vorgenommen, ebenso wie das 2. Obergeschoss auf der westlichen Seite für die außenliegende Rutsche. Die Rutsche steht als förmlicher Gegensatz zu dem Bestand. Die geschwungene, spiralenförmige Form zu dem Quader, dem Würfel und der Pyramide. Im Dachbereich wird auf der östlichen Seite die Dachhaut mit mehreren Dachluken „durchlöchert“ und erfährt ungewöhnliche Lichteffekte als Beleuchtung und Belüftung. Ebenso auch die Materialien kündigen eine neue Zeit an. Das große Bandfenster und die transparente Glasrutsche und Dachluken stehen im Gegensatz zu dem massiven und opaken gemauerten Turm.

Die Innenarchitektur ist klar gegliedert und ist mit wenigen Materialien definiert. Helles Holz bringt Wärme und Eleganz. Die Treppen werden mit einem massiven Holzgeländer ergänzt. Wände und Boden bestehen aus hellgrauem Beton. Die Schachteln und Kuben sind aus Holz und stehen heraus mit den Glaselementen. Als Akzente dienen die metallblauen Wände des Neubaus, bzw. der Eingangstür vom Turm.

Der Neubau ist eine Neuinterpretation des alten Turmes (vom Horizontalen zum Vertikalen) und setzt sich in den Hintergrund, um den Turm im Mittelpunkt zu behalten. Er ist wie ein umgefallener Turm, mit einem ausragendem Kopfteil auf allen Seiten. Das Dach (die Frisur des Dreiecks) widerspiegelt sich in der Fassade. Im oberen ausragenden Kopfteil des Neubaus wird die Form des Daches ausgeschnitten. Das markiert den Eingangsbereich. Der 2.6 m hohe Glaskasten gewährt Ein- und Ausblicke und der darüberliegende 2 m hohe Kopfteil lehnt sich mit seinem schweren Betonkörper darüber. Die metallblaue Tür ist ein farblicher Akzent des Turmes und wird im Neubau wieder aufgenommen. Im Foyer befindet sich ein innenliegender Garderoben- und Lagerraum, der mit einer metallblauen Oberfläche versehen ist. Dieser Raum befindet sich direkt hinter der gläsernen Eingangstür unter dem ausgeschnittenen Dreieck, sodass man den blauen Körper hinter dem Glas schon erahnen kann und die Form eines Hauses bildet sich. Das Glas, der blaue Körper und das ausgeschnittene Dreieck bilden ein gesamtes Bild von einem Eingang. Der Mehrzwecksaal ist flexibel mit einer mittleren hellblauen Trennwand skalierbar. Man kann je nach Zweck, die Wand aufziehen oder zuziehen. Bestuhlung und jegliches Mobiliar kann im Lagerraum untergebracht werden. Im unteren Geschoss befinden sich noch notwendige Räume, wie Nassräume und Technikflächen.

Die Materialien Glas und Beton des Neubaus zeugen von einer zeitlosen Ästhetik. Durch den transparenten Glaskasten wird eine Blickbeziehung zwischen Vorplatz und Wald hergestellt. Die runden Stützen unterstützen den Eindruck eines Waldes. Den Betonkopfteil zeichnet eine reliefartige Pilasterstruktur aus, die eine Kommunikation zum Bestand aufnehmen vermag.

 

 

 



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